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Beleihungswert bei Immobilien verstehen & berechnen

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Andreas Schössow

Experte für Finanzierung

Infos zum Autor

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Beleihungswert ist der Wert, den Banken langfristig und bewusst konservativ für eine Immobilie ansetzen.
  • Er liegt meist unter dem Kaufpreis oder Marktwert und beeinflusst direkt Zinssatz und Kreditkonditionen.
  • Je niedriger der Beleihungsauslauf, desto besser sind in der Regel deine Finanzierungskonditionen.
  • Lage, Zustand, Objektart und Nutzung spielen bei der Bewertung eine zentrale Rolle.
  • Mit ausreichend Eigenkapital und realistischer Planung kannst du den Beleihungswert positiv nutzen.
Inhalte auf dieser Seite
Beleihungswert Immobilien

Was der Beleihungswert mit deinem Kredit zu tun hat

Wenn du eine Immobilie finanzieren willst, schaust du vermutlich zuerst auf den Kaufpreis. Für die Bank ist jedoch ein anderer Wert entscheidend: der Beleihungswert. Er bestimmt, wie viel Geld dir ein Kreditinstitut für deine Immobilie leiht und zu welchen Zinsen. Wer den Beleihungswert nicht versteht, wundert sich später oft über höhere Zinsen oder zusätzliche Eigenkapitalanforderungen. Deshalb lohnt es sich, dieses zentrale Konzept der Baufinanzierung frühzeitig zu kennen.

Definition: Beleihungswert einer Immobilie

Der Beleihungswert ist der Wert, den eine Bank einer Immobilie für die langfristige Kreditabsicherung beimisst. Anders als der Kaufpreis oder der Marktwert soll er auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Bestand haben.

In Deutschland ist die Beleihungswertermittlung unter anderem in der Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) geregelt. Sie verpflichtet Banken dazu, den Wert vorsichtig und nachhaltig zu ermitteln. Ziel ist nicht, den aktuell erzielbaren Verkaufspreis abzubilden, sondern einen stabilen Wert, der über viele Jahre hinweg realistisch ist. Deshalb liegt der Beleihungswert in der Praxis häufig unter dem Kaufpreis.

Beleihungswert, Kaufpreis & Verkehrswert: Das sind die Unterschiede

Gerade für erstmalige Immobilienkäufer sind diese unterschiedlichen Begriffe oft verwirrend. Eine Unterscheidung und Erklärung ist daher praktisch:

  • Kaufpreis: Der Preis, den Käufer und Verkäufer vereinbaren.
  • Verkehrswert (Marktwert): Der Verkehrswert ist laut § 194 BauGB der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr unter normalen Bedingungen erzielbar wäre.
  • Beleihungswert: Der vorsichtig angesetzte Wert der Bank zur Absicherung des Darlehens.


Während Kaufpreis und Verkehrswert stark von Marktlage und Nachfrage beeinflusst werden, bleibt der Beleihungswert bewusst konservativ. Genau dieser Unterschied erklärt, warum Banken nicht immer den vollen Kaufpreis finanzieren.

Wie berechnen Banken den Beleihungswert?

Eine einheitliche Formel gibt es nicht. Jede Bank nutzt eigene Bewertungsmodelle, die sich an gesetzlichen Vorgaben und internen Richtlinien orientieren.

Grundsätzlich fließen zwei Ansätze ein:

  • der Sachwert (Baukosten minus Alterswertminderung)
  • der Ertragswert (vor allem bei vermieteten Immobilien)


Aus diesen Werten leitet die Bank einen langfristig tragfähigen Immobilienwert ab. Marktschwankungen, spekulative Preisentwicklungen oder emotionale Kaufentscheidungen sollen damit außen vor bleiben.

Berechnung Beleihungswert

Welche Faktoren beeinflussen die Rechnung?

Wie erwähnt, gibt es keine feste Rechnung, die für alle Banken allgemeingültig ist. Prinzipiell folgt jede Bank den eigenen Regeln. Es gibt aber wiederkehrende Kriterien, die bei der Bewertung praktisch immer eine Rolle spielen. 

Lage

Die Makro- und Mikrolage ist einer der wichtigsten Faktoren. Gute Infrastruktur, stabile Nachfrage und wirtschaftliche Stärke erhöhen die Werthaltigkeit.

Zustand & Baujahr

Modernisierte oder neuwertige Immobilien werden höher bewertet als sanierungsbedürftige Objekte. Hoher Renovierungsstau senkt den Beleihungswert.

Objektart

Einfamilienhäuser, Eigentumswohnungen oder Mehrfamilienhäuser werden unterschiedlich bewertet. Standardisierte Objekte lassen sich für Banken besser einschätzen.

Nutzung

Eigengenutzte Immobilien gelten als stabiler als Spezial- oder Renditeobjekte mit höherem Vermietungsrisiko.

Beleihungsauslauf und die Bedeutung für deinen Zinssatz

Der Beleihungsauslauf beschreibt das Verhältnis zwischen Darlehenshöhe und Beleihungswert. Je geringer dieser Prozentsatz, desto geringer ist das Risiko für die Bank und desto günstiger fallen die Zinsen meist aus.

Beispiel:

  • Darlehen: 300.000 Euro
  • Beleihungswert: 400.000 Euro
  • Beleihungsauslauf: 75 %


Die Beleihungsgrenze liegt häufig bei 60 % des Beleihungswertes. Bis zu dieser Grenze gelten Kredite für Banken als besonders sicher und werden oft mit den besten Zinssätzen angeboten. Viele Banken staffeln ihre Zinssätze dann nach festen Beleihungsausläufen, etwa bis zu 60 %, 80 % oder 90 %. Die Bedeutung auf den letztendlich gewährten Zinssatz sowie weitere Konditionen ist damit unmittelbar gegeben.

Beleihungswert bei Bestandsimmobilien & Sanierungsobjekten

Bei älteren Immobilien setzen Banken oft Abschläge an, insbesondere bei energetischem Sanierungsbedarf. Geplante Modernisierungen werden nur teilweise oder gar nicht berücksichtigt, solange sie nicht umgesetzt sind. Manche Banken nutzen dafür pauschale Abzüge, andere versuchen diese Werte zu berechnen. Eine genaue Einsicht bekommt man als Außenstehender aber in der Regel nicht.

Fragen rund um Kredite? Wir helfen weiter!

Konkrete Sachverhalte sind immer unterschiedlich. Falls du individuelle Fragen hast, melde dich gerne bei uns.

Wir sind unabhängige Finanzberater und können dir zum Beispiel bei folgenden Themen weiterhelfen:

  • Planung deines individuellen Budgets für den Immobilienkauf oder -verkauf
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BaufiTeam Finanzierungsexperten

Fazit: Beleihungswert kennen heißt Finanzierung gezielt steuern

Der Beleihungswert entscheidet nicht nur darüber, wie viel Geld dir die Bank leiht, sondern er beeinflusst ganz konkret deinen Zinssatz, deinen Eigenkapitalbedarf und die langfristige Stabilität deiner Finanzierung.

Wer versteht, wie Banken Immobilien bewerten, kann realistischer kalkulieren, bessere Konditionen erreichen und unangenehme Überraschungen vermeiden. Besonders wichtig ist dabei der Beleihungsauslauf: Je niedriger er ausfällt, desto günstiger und sicherer wird deine Finanzierung in der Regel.

Kurz gesagt: Wenn du den Beleihungswert frühzeitig in deine Finanzierungsstrategie einbeziehst, triffst du bessere Entscheidungen und schaffst somit eine solide Grundlage für dein Eigenheim.

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Finanzierungsberater & Vertriebsleiter

Andreas Schössow, unser Finanzierungsexperte bei BaufiTeam, berät seit 15 Jahren erfolgreich zu Immobilienkauf und -finanzierung.

Er vermittelt Anschluss- und Baufinanzierungen, Forward-Darlehen als auch Kredite für Modernisierungen, stets mit den Bedürfnissen seiner Kunden im Fokus. Mit umfassender Marktkenntnis und Finanzexpertise macht Andreas komplexe Themen verständlich.

Andreas Schössow