Baufinanzierung unterschätzt: Warum sich viele übernehmen
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Die Wunschimmobilie ist gefunden, die Finanzierung scheint zu passen und die Bank hat grünes Licht gegeben. Eigentlich steht dem Hauskauf nichts mehr im Weg.
Trotzdem geraten viele Käufer schon wenige Monate oder Jahre nach dem Einzug finanziell unter Druck. Nicht, weil unerwartet etwas passiert ist, sondern weil sie ihre monatliche Belastung und damit die gesamte Baufinanzierung von Anfang an unterschätzt haben.
Eine Baufinanzierung begleitet die meisten Menschen über Jahrzehnte. Umso wichtiger ist es, die monatliche Rate nicht nur auf dem Papier kalkulieren zu können, sondern sie auch langfristig tragen zu können.
Die Bank entscheidet nur teilweise, was du dir leisten kannst
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: Wenn die Bank den Kredit genehmigt, wird die Finanzierung schon passen.
Doch Banken prüfen in erster Linie, ob das Risiko für sie vertretbar ist. Deine persönliche Lebensqualität oder dein finanzieller Spielraum im Alltag stehen dabei nicht im Mittelpunkt, sondern spielen eine Nebenrolle.
Deshalb kann eine Finanzierung zwar aus Sicht der Bank möglich sein, sich für dich aber trotzdem dauerhaft zu eng anfühlen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie viel Kredit bekomme ich?“, sondern: „Mit welcher monatlichen Rate fühle ich mich auch in zehn Jahren noch wohl?“
Die Kreditrate ist längst nicht alles
Viele Käufer kalkulieren fast ausschließlich mit der monatlichen Darlehensrate. Dabei endet die finanzielle Belastung nicht mit der Überweisung an die Bank.
Hinzu kommen laufende Kosten für Versicherungen, Grundsteuer, Energie, Instandhaltung und kleinere Reparaturen. Gerade bei älteren Immobilien können diese Ausgaben ins Gewicht fallen und unter Umständen auch mal schwanken. Wenn diese Kosten durchschnittlich deutlich über dem kalkulierten Wert liegen, wird das zu einer enormen finanziellen Herausforderung.
Wer nur die Kreditrate betrachtet, unterschätzt deshalb häufig die tatsächlichen Kosten des Eigenheims.
Kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben
Eine Baufinanzierung läuft oft über 20 oder 30 Jahre. In dieser Zeit bleibt das Leben selten unverändert. Das sollte auch für die Baufinanzierung gelten. Von Zeit zu Zeit sollte diese an das eigene (veränderte) Leben angepasst werden, denn zu Beginn werden viele Faktoren der Zukunft unterschätzt.
Vielleicht kommt Nachwuchs, ein Einkommen fällt zeitweise weg oder die berufliche Situation verändert sich. Auch steigende Lebenshaltungskosten können das monatliche Budget stärker belasten als ursprünglich geplant. Deshalb sollte eine Baufinanzierung immer genügend Spielraum bieten. Wer heute jeden Euro verplant, hat morgen kaum Reserven für unerwartete Veränderungen.
Folgende Anpassungen lassen sich typischerweise im Laufe einer Baufinanzierung vornehmen:
- Veränderte Konditionen aushandeln im Rahmen einer Anschlussfinanzierung
- Kredit nach 10 Jahren neu verhandeln
- Sonderkündigungsrecht nach §489 BGB nutzen, um Konditionen anzupassen
- Kreditrate reduzieren
Eigenkapital schafft mehr Sicherheit
Je mehr Eigenkapital in die Finanzierung eingebracht wird, desto geringer fällt häufig die monatliche Belastung aus.
Trotzdem unterschätzen manche Käufer die Auswirkungen und begehen den Fehler, ihr gesamtes Erspartes in den Hauskauf zu investieren. Dadurch verbessert sich zwar oft die Finanzierung, gleichzeitig fehlen aber finanzielle Rücklagen für Reparaturen oder unvorhergesehene Ausgaben.
Das ist einer der häufigsten Fehler bei einer Baufinanzierung. Eine gute Baufinanzierung besteht deshalb nicht nur aus einer niedrigen Rate, sondern auch aus ausreichend finanziellen Reserven.
Budgets nicht voll ausreizen
Wer lange nach einer passenden Immobilie gesucht hat, möchte die Chance zum Kauf in der entscheidenden Situation verständlicherweise nicht verpassen. Genau dann werden Budgets häufig noch einmal nach oben angepasst. Plötzlich erscheint eine etwas höhere Monatsrate doch noch machbar oder das Eigenkapital wird vollständig eingesetzt.
Diese Entscheidungen wirken im Moment oft nachvollziehbar. Über viele Jahre können sie jedoch zu einer dauerhaften finanziellen Belastung werden. Ein Eigenheim sollte Sicherheit geben und nicht jeden Monat neuen finanziellen Druck erzeugen.
Hilfe bei der Einschätzung erhalten!
Konkrete Sachverhalte sind immer unterschiedlich. Falls du individuelle Fragen hast, melde dich gerne bei uns.
Wir sind unabhängige Finanzberater und können dir zum Beispiel bei folgenden Themen weiterhelfen:
- Beratung rund um die Immobilienfinanzierung u.a. auch beim einschätzen deiner finanziellen Möglichkeiten
- Ehrliche Beratung, welche Kosten beim Immobilienkauf und danach auf dich zukommen
- Beratung bei der Auswahl der passenden Bank, den Konditionen und anderen Rahmenbedingungen
Hast du deine Baufinanzierung richtig eingeschätzt?
Viele Menschen überschätzen beim Hauskauf, welche monatliche Belastung sie langfristig tragen können. Die Folge ist eine Finanzierung, die auf dem Papier funktioniert, im Alltag aber ständig für Druck sorgt.
Deshalb solltest du dich nicht daran orientieren, was theoretisch möglich ist. Entscheidend ist, welche Rate dir auch in vielen Jahren noch genügend finanzielle Freiheit lässt.
Wenn du dir unsicher bist, hilft oft ein einfacher Perspektivwechsel: Stell dir vor, deine monatlichen Ausgaben steigen oder dein Einkommen sinkt für eine gewisse Zeit. Würde deine Finanzierung trotzdem noch funktionieren?
Kannst du diese Frage mit gutem Gewissen beantworten, ist das meist ein deutlich besseres Zeichen als ein besonders niedriger Zinssatz.

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